Felix Schudel
FELIX SCHUDEL, der Ende August 1976 die musikalische Leitung des Kammerorchesters Wädenswil übernahm, verzichtete vorerst darauf, technisch allzu anspruchsvolle Musikliteratur aufzuführen.
Mittlerweile hatten sich allseits Stereoanlagen durchgesetzt, und damit wollte und konnte man nicht konkurrieren. Der junge Dirigent verfolgte bewusst andere Ziele: längerfristig gesteckt und mit pädagogischer Ausrichtung.

Er wählte von Musikverlagen neu herausgegebene Werke für Streicherformationen aus, welche nicht die Domäne grosser Berufsorchester bildeten. Dabei hielt er einerseits an bisherigen Aufgaben, Veranstaltung von Kirchenkonzerten und Mitwirkung im Gottesdienst fest.

Andererseits beschritt der Verein unter Felix Schudels musikalischer Leitung neue Wege: mit Konzertreisen, Serenaden im Simongut auf der Vorderen Au und seit 1992 im Schloss Au sowie mit Musikwochen in Gwatt am Thunersee.

Mehrmals trat das Kammerorchester auch im Rahmen der von der Organistin Ursula Hauser organisierten «Fiirabigmusig-Konzertreihe» auf. Und immer wieder konnten erstklassige Solistinnen und Solisten nach Wädenswil verpflichtet werden.

Als ausgebildeter Orchestermusiker und Pädagoge legt Felix Schudel besonderes Gewicht auf die kontinuierliche Verbesserung des technischen und handwerklichen Könnens. Unter seiner Stabführung sind die intensive Schulung im Bereich von Rhythmus und Intonation sowie die Ausbildung eines differenzierten und variationsreichen Orchesterspiels in den Mittelpunkt der Probenarbeiten gerückt.Mit detailliertesten Anweisungen zur Spieltechnik strebt er einen homogenen Streicherklang an.

In einem Rundbrief an die Mitglieder des Kammerorchesters zum Neujahr 1980 heisst es: «Gerade ein Laienensemble muss die technische Seite, Rhythmus, Intonation, Tonqualität, äusserst wichtig nehmen; je besser sie ist, umso tiefer kann sich der Zuhörer ins Werk versetzen, da er nicht ständig durch Ungereimtheiten in seinem Hörerlebnis gestört wird. ...

Aus unserer Verantwortung gegenüber dem Werk, dem Komponisten und dem Publikum, sowie aus Rücksicht gegenüber unserem eigenen Innern - wir wollen ja mitwachsen und lernen am Prozess des Musizierens - kann und darf es uns niemals gleichgültig sein, ob wir quasi ‘aus Freude’ fiedeln oder ob wir innerlich mehr dazu beitragen können und unser Tun auch als Kunst auffassen wollen.
Es geht um mehr als nur um Noten, und gerade darum probieren und ringen wir stets wieder aufs Neue.»